Donnerstag, 16. April 2015

Portwein in Porto?

Montag, der 13/04/2015

Andreas ging es erstmal wieder besser und nun wollten wir auch endlich mal eine Portweinverkostung mitmachen, wo hier doch sämtliche Portweinfirmen angesiedelt sind. 
Da wir uns ja auf der anderen Flussuferseite befinden, sind wir genau genommen nicht in Porto sondern in Vila Nova de Gaia. Und da hier auch der Portwein hergestellt wird, ist es genau genommen ein "Vila de Gaia-Wein". :-)
Ein Portwein darf sich übrigens nur so nennen, wenn er von hier kommt und die Herstellung nach genauen Vorgaben erfolgt. 

Nun lassen wir uns also hinabführen in die Lager von Offley (die Älteste von 1737) und lernen, wie Portwein hergestellt wird und welche verschiedenen Sorten es gibt und wie sie sich in der Herstellung unterscheiden. 
Gar nicht so unspannend.  


Eine kurze Zusammenfassung:
Portwein entsteht, wenn bei der Gärung der Trauben recht früh 77%es Weindestillat hinzugefügt wird. Damit wird der Gärungsprozess gestoppt, der ja sonst den Zucker zu Alkohol verarbeitet hätte. Damit bleibt der Zucker erhalten und der Alkoholpegel kann kontrolliert bei 20% gehalten werden. Je nachdem, wie lange er in Fässern oder in Flaschen reift, wie groß die Fässer sind und vieles mehr, bestimmt die Sorte, Farbe und Geschmack! Wieder was gelernt. 

Am Schluss probieren wir zwei Sorten Porto. Wir hätten auch 3,4 oder 5 probieren können, aber dann wären wir hackedicht für den Rest des Tages gewesen. 

Anschließend ging es wieder Bergauf zur Tramstation an der Brücke. Hier hat uns jeden Tag das "Teehaus" angestrahlt - zumindest nennt Andreas es immer so. 

Eigentlich heißt dieses Gebäude "Serra do Pilar" und ist ein Kloster. Man konnte es nur von außen besichtigen und nebenan war das Militär angesiedelt. 


Eine Terrasse gewährt uns einen vollständigen Blick über die Flusseite von Porto. 


So - nun rüber nach Porto. 
Hier wollten wir nun endlich ausgiebig mit der historischen Tram fahren und haben gleich ein Tagesticket für 8 Euro gekauft, anstatt für jede Fahrt 2,50 Euro zu bezahlen. Das Strassenbahnmuseum war im Preis ebenso enthalten. Los ging es mit der Linie 22 bis zum Carmoplatz um in die Linie 18 umzusteigen  an deren Endhaltestelle befindet sich das historische Strassenbahnmuseum. Da Montag war, hatte das Museum geschlossen. Also weiter mit der historischen Linie 1 bis zum Endpunkt am Atlantik. 

Mit der städtischen Buslinie 500 sind wir weiter am Strand entlanggefahren. Er ist quasi ein Touristenbus, weil er immer schön am Fluss und am Meer entlangfährt und sogar doppelstöckig ist. Hier braucht  dann auch jeder das normale Ticket. 

Am "Forte de S. Francisco" haben wir uns ans Meer gesetzt und uns die Sonne um den Arsch scheinen lassen. 

Schon cool ihn einer solchen Stadt zu leben und auch noch das Meer vor der Nase zu haben. 

Mit dem Bus 500 ging es dann zum Hafen von Porto, wo die Tramlinie A ihren Endpunkt hat. Hier hat Andreas die Tramfahrer ausgequetscht um wieder eine Menge Informationen über den Nahverkehr zu erhalten. 

Unser nächstes Ziel war der "Palácio de Cristal". Da die Stadt sehr hügelig ist, müssten wir eine Verbindung raussuchen, die oben an diesem Park hält um nicht wieder nur bergauf zu laufen. 

Der Park ist sehr schön angelegt mit einer großen Kuppel in der Mitte, in der wohl viele Veranstaltungen stattfinden. 


Hier gibt es Terrassengärten und kleine Seen mit Pfauen und Enten. 

Zurück in der Stadt wollte Andreas zum Abendessen endlich mal die Spezialität von Porto probieren "Franchesina".  Auf der Suche nach einer geeigneten Bar, die uns zusagt, trafen wir die Bedienung aus dem Café Lustiana. Porto ist halt ein Dorf :-)
Sie empfahl uns eine Bar in der Nähe. Trotz intensiver Suche und Befragung der Leute auf der Straße, haben wir den Laden aber nicht gefunden. 

Schließlich sind wir in einem Restaurant eingekehrt, da wir nun auch echt hungrig waren. Andreas bekam seine Franchesina - ein Toast mit allerlei Fleisch und Käse. Zudem mit viel Käse überbacken und mit einer speziellen, sehr würzigen Sosse übergossen. Obendrauf war noch ein Spiegelei. 


Das war sehr lecker, auch wenn es nicht unbedingt danach aussieht. 

Mit dem Sonnenuntergang ging es auch wieder Richtung Camper. 

Da es unser letzter Tag in Porto ist, gibt es unser Fazit über diese Stadt:

Porto ist eine coole, sehenswerte und empfehlenswerte Stadt. Die ganze Innenstadt hat einen morbiden Charme, der nicht so postkartenmässig hochgezüchtet ist. Sie legt einem allerdings nicht alles zu Füßen und macht es einem nicht immer leicht. Als Beispiel sei der Nahverkehr erwähnt. Ein Kombiticket gibt es nicht und das System ist sehr kompliziert. Und die Stadt ist sehr hügelig. Man braucht also Kondition. Durch unseren Camperparkplatz mussten wir jeden Tag schon 2,5 Kilometer laufen, um in die Stadt zu kommen. Zurück waren es dann wieder 2,5 Kilometer, so dass pro Tag schon einiges zusammengekommen ist. 

Die Besten Sonnenuntergänge hat man hier Ober- und Unterhalb der Dom Luís I Brücke. 

Montag, 13. April 2015

Ein kranker Andreas ...

Sonntag, der 12/04/2015

Als wir gestern Zuhause waren, merkte Andreas, dass es ihm nicht gut ging. Er war ganz warm und musste immer Husten. Am nächsten Morgen hab ich ihn nach unten verfrachtet und ihn ausruhen lassen. Eine Apotheke war nicht ausfindig zu machen, da ja auch Sonntag war und die wenigen in unserer Nähe geschlossen waren. Ich habe dann gerade ankommende Reisende angesprochen, ob sie Iboprofen  oder ähnliches haben. Sie kamen aus Saarbrücken und gaben mir ein paar Aspirin. Das sollte erstmal helfen. Wir haben nichts mehr zum frühstücken im Kühlschrank - also belassen wir es bei einer Tasse Kaffee.  
Gegen Nachmittag helfen die Aspirin etwas und wir gehen am Fluss spazieren.
Da Sonntag ist, tummeln sich hier tausende Touristen. Eigens dafür wurden am gesamten Flussufer Stände mit Schnickschnack und Gedöns aufgebaut. Richtig HalliGalli hier. Zudem muss jeder, aber auch wirklich jeder, mit dem Auto in die Stadt fahren. Ein riesiges Chaos! 



Also am Wochenende sollte man die Stadt wirklich meiden. 
Wir mussten erstmal was essen und wollten nicht in ein volles Restaurant.  Also sind wir in ein PizzaHut eingekehrt. Viel Fett aber trotzdem lecker. 



Dann sind wir proppenvoll ein bisschen durch leerere Gassen flaniert, sind nochmal mit der historischen Tram am Fluss entlanggefahren und haben etwas Brot für den nächsten Morgen eingekauft. 


Eine Franziskus-Kirche lag noch auf dem Weg. Auch die war ganz leer. Besonders ist hier die Verkleidung des Innenraums. Obwohl es sich um einen Bettelorden handelt, wurde die Kirche später mit 200kg Goldstaub ausgekleidet. Das führte dazu, dass beschlossen wurde, hier keine Messen mehr abzuhalten. 


Noch ein paar gemischte Impressionen vom Rückweg: 






Um 8 waren wir zuhause und Andreas hat sich wieder hingelegt. Ein ganz ruhiger Tag als Gegenpol zu dem ganzen Trubel draußen. 

Samstag, 11. April 2015

Noch einmal Resümee passieren und zurück nach Porto

Samstag, der 11/04/2015

Heute heist es Abschied nehmen von Santiago de Compostela. Diesmal machen wir einen letzten Ausflug zusammen mit Javier und seinem Mann Rubén, die übrigens schon seit über 20 Jahren zusammenleben, einen Abstecher zum Kulturzentrum der Stadt. Dieses ist etwas außerhalb auf einem Hügel. Riesengroß und viel zu überdimensioniert für die 100.000 Einwohner-Stadt. Beim Bau gab es es auch viele Proteste und das ganze Ding ist fast verlassen. Die Bauten an sich sind sehr imposant - aber hier fehl am Platze. Insgesamt sind es übrigens 5 solcher Gebäude hier, die zusammen 400 Millionen Euro gekostet haben. Unsere Elbphilarmonie kostet für ein bisschen Austocken schon 800 Millionen Euro. 


Danach ging es nochmal in die Altstadt um was Essen. Javier bestellt ein paar Kleinigkeiten in einem kleinen Lokal. Pilze und Fleisch - unser letztes Essen für 24 Stunden! 

Wir gehen noch durch einen Park, der mal ein Friedhof war. Die Gräber sind aber leer. 

Und zum Schluss in ein Café in einem wundervollen, ruhigen Garten. 



Das waren echt schöne Tage in Galizien. Javier hat sich jeden Tag für uns Zeit genommen und uns die Gegend gezeigt, obwohl er derzeit als selbständiger enorme Probleme hat. Vielleicht war die Abwechlung für ihn auch eine Art Urlaub. 

Rubén musste leider immer in der Notrufzentrale arbeiten. Umso schöner, dass er uns vor seiner Nachtschicht noch begleitet hat. 

Nun heißt es Abschied nehmen. Der Zug bringt uns zurück nach Vigo in der Nähe zu Portugal. Von hier kommen wir mit einem alten Dieselzug zurück nach Porto. Der Diesel stinkt im gesamten Abteil uns wird ganz schwummerig.  

Es bleibt noch die bange Frage, ob mit unserem Camper alles geklappt hat. Immerhin haben wir ihn morgens vor der Werkstadt abgestellt und die Schlüssel in den Briefkasten geworfen. Da die Werkstadt bei unserer Ankunft schon geschlossen ist, sollten wir den Besitzer anrufen. Das hat alles gut geklappt. Er kam 15 min später vorgefahren und hatte den Camper in seiner Werkstatt geparkt. 
Er hat sich gefreut, dass er schnell 50 Euro verdient hatte und wir, dass wir einen sicheren Unterschlupf für unser Baby hatten. 

Schnell waren wir entlang des Flusses wieder an unserem angestammten Platz auf der falschen Flusseite und haben den Samstag Abend zum klassischen Ausgehen genutzt. Es war zwar mittlerweile schon sehr spät, aber hier geht man eh erst um 1 Uhr raus. 

Der erste Laden hieß Lustiana und ist einem ehemaligen alten Café. Der Laden war eine tolle Erfahrung. Hier atmet man die alte Zeit bei cooler Musik ein. 


Im zweiten Laden Syndikato gab es um halb 3 eine Dragshow, die eine Stunde dauerte.  Sehr trashig- aber Schwule lieben ja sowas.



Eine Jungesellinnenabschiedsrunde  aus Belgien hatte Andreas noch umlagert. 

Dann war auch für uns Schluss und ein Taxi durfte uns diesmal zurück zum Parkplatz bringen. 10 Minuten später und 10 Euro ärmer konnten wir ins Bettchen krabbeln. 

Wir sind reif fürs Kloster.

Freitag, der 10/04/2015

Wie jeden Morgen gibt es ein kleines Frühstück und da unsere Gastgeber etwas Zeit brauchen zum Arbeiten, schreiben wir immer brav unseren Blog. 

Gegen Mittag ging es los in eine andere Ecke Galiziens.  Das Wetter war nicht so prickelnd - es regnete zum ersten Mal auf unserer Reise und es war kalt. 
Die Reise ging Richtung Norden über die Autobahn, die auch hier Mautpflichtig ist. Etwa 6 Euro kostet unsere Durchfahrt für ca. 50 Kilometer. 

Auf dem Weg haben wir viele Flüsse passiert und am Fluss Eume sind wir abgebogen. Der Fluss kommt aus einem grünen Tal, dass als Naturschutzgebiet ausgezeichnet ist. Die Landschaft ist malerisch und der Fluss ist traumhaft mit seinen vielen Kurven und Stromschnellen. Die Straße ist eng und im Sommer wegen der vielen Besucher gesperrt. Dann fährt ein Bus die Touristen tiefer in den Wald. Aber jetzt müssen wir noch selber dafür sorgen. Etwa 10 Kilometer fahren wir in den Wald und die Szenerie erinnert uns an das Bodetal im Harz. So weit weg und doch so nah der Heimat. 

Aber irgendwann ist auch unsere Straße zu Ende und von nun an heißt es laufen. In den Bergen hängen die Wolken eindrucksvoll zwischen den Bäumen und wir laufen einen Weg bergauf, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht. 

Letztlich kommen wir oben an und wir erkennen endlich das Ziel unserer Reise: ein kleines Kloster seit 900 Jahren mitten im Nichts auf einem Berg.
Was bewegt Menschen bloß, sich im nirgendwo niederzulassen?

Das Kloster heißt "Mosterio de Caaveiro". 
Es ist zum Teil restauriert worden und begehbar. Es gibt nur ein paar Räume und eine Kapelle. Aber der Ort birgt eine tolle Atmosphäre und einen tollen Blick über den Wald drumherum und ist von zwei Flüssen umsäumt. 

Ein kleines Café dort serviert uns die besten Baguettes, die wir je hatten!

Habe ich erwähnt, dass der Regen in dem Moment aufhörte, als wir aus dem Auto stiegen? Er fing jedenfalls wieder an, als wir unser Auto erreichten. 

Danach war das mit dem traumhaften Landschaften vorbei, denn Javier fuhr mit uns nach A Coruña, der zweitgrößten Stadt Galiziens. Obwohl von zwei Seiten der Stadt an der Küste gelegen, ist die Stadt hässlich verbaut und hat gar kein Flair aufzuweisen. Die Einwohner sollen aber unglaublich Stolz auf ihre Stadt sein - fragt sich nur worauf genau?

Am Strand haben wir denn Torré de Hércules bestiegen. 234 Stufen geht es den Leuchtturm hinauf, der bereits von den Römern im ersten Jahrhubdert errichtet worden ist und im Laufe der Zeit lediglich ausgebaut worden ist. Das an sich ist was besonderes. Der Blick vom Turm bietet einen tollen Blick über die Hässlichkeit dieser Stadt! Man kann ja nicht immer nur über die tollen Dinge schreiben. 

Erwähnenswert für die Nahverkehrsfreunde ist, dass es bis vor 5 Jahren dort eine historische Straßenbahn entlang der Küste gab. Mangels Geld für die Erneuerung der Gleise wurde sie aber eingestellt. Mittlerweile hat man auch die Oberleitungen abgebaut um vollendete Tatsachen zu schaffen. 

Auf dem Weg zurück ging es nochmal zum Bahnhof um zu schauen, ob wir nun die Tickets für den Zug kaufen konnten. Dies war zuvor wegen einer Umstellung nicht möglich gewesen. Diesmal hat es aber geklappt. 


Von dort ging es nach Hause um zusammen mit Javiers Freund Rubén in einer Kneipe Essen gehen, die Andreas im November schon sehr gut gefallen hatte. Dort war es aber brechend voll und wir sind in eine andere Gaststätte ausgewichen um dort eine Kleinigkeit zu essen. Wir wollten dann eigentlich weiterziehen um woanders noch eine Kleinigkeit zu essen, aber das Essen hier war so reichhaltig, dass wir nix mehr essen konnten. Das Essen selber war ok aber nichts besonderes. Sagen wir mal, es hat satt gemacht. Und so geht auch dieser Tag zu Ende und wir quatschen Zuhause noch ein wenig bis wir ins Bett fielen. 

 





Freitag, 10. April 2015

Galiziens wundervolle Küste

GDonnerstag, der 10/04/2015

Heute führt uns Javier zu seinen Lieblingsplätzen an der galizischen Küste. 
Diese ist etwa 60 km von hier entfernt und hält einige Überraschungen für uns bereit - immerhin haben wir gerade in Portugal schon beeindruckende Küsten entdeckt!

Die erste Station war gleich ein Volltreffer - in Porto do Son ist neben den tollen Klippen eine keltische Ausgrabungsstätte!
Hier kann man die Häuser und die Wehrmauern noch gut erkennen und man stellt sich vor, wie das Leben damals gewesen sein muss. Ein komisches Gefühl. Wir genießen den Ausblick die Klippen hinunter und sind wiedermal nur ein kleines Teilchen in diesem Riesenuniversum. 




Der nächste Stopp ist in Dumbría. Hier überrascht uns unser Gastgeber mit einem enormen Wasserfall. Im Grunde überrascht er nur Björn, denn Andreas war bereits im November an diesem Platz mit Javier - aber damals floss nicht so viel Wasser den Berg herunter. 


Hier verbringt Javier mit seinem Freund Rubén gerne seine Zeit und es wirklich ein toller Ort zum Verweilen. Das Wasser ist sehr laut aber auch beruhigend. 

Nach einer Weile brechen wir auf zum letzten Stopp dieses Ausflugs. Wir halten in Fistera - den westlichsten Punkt Spaniens. Dort ist laut einem Schild das Ende der Welt und die Pilger kommen hierher, um Ihre Schuhe zu verbrennen. 
Dies ist eine lange Tradition aber nicht sehr umweltfreundlich. Auch wenn nur noch wenige dies hier tun, stinkt es doch nach Plastik und Schweißfüßen! 

Hier lassen wir uns in den Klippen nieder und fuhren tolle Gespräche. Der Ort lädt einfach dazu ein tiefgründig zu sein!



Bevor wir uns auf den Heimweg machten, haben wir zwei Spezialitäten im Ort probiert - riesige Miesmuscheln und Pulpo (Octopus)! 



Zuhause angekommen, haben wir noch gekocht. Andreas hat einen Kochkurs in Sachen Tortilla bekommen! Dazu gab es noch panierte Auberginenscheiben. Einfach und sehr lecker!




Donnerstag, 9. April 2015

Auf nach Galizien

Mittwoch, der 08/04/2015

Um 6:30 Uhr hat uns unser Wecker aus dem Schlaf geweckt. Wir mussten früh aufstehen, weil wir einen frühen Zug nach Santiago de Compostella bekommen mussten.
Da wir den Camper nicht unbewacht auf unserem Platz zurücklassen wollten, hatten wir ja zuvor eine Autowerkstatt am Bahnhof zum Abstellen aufgetan. Dort mussten wir nun hinfahren und wir waren nicht ganz sicher, wie voll die Straßen sein werden und ob wir die gleiche enge Straße zurückfahren mussten. Der Weg im Navi war aber ein anderer und ganz gut befahrbar und die Straßen waren noch ganz leer. Hier ticken die Uhren anders - bis 8 Uhr war hier nix von Rushhour zu spüren. 

Zuerst ging es mit dem Zug nach Vigo in Spanien. Kurz nach der Grenze kam die spanische Polizei und wollte unsere Ausweise sehen.  Die haben sie gleich mitgenommen und sehr lange per Funk diskutiert. Es hat bestimmt 10 Minuten gedauert, dann war aber alles in Ordnung. 

Von Vigo wollten wir dann unseren Zug nach Santiago  und zurück buchen, hatten aber die gleichen Probleme wie in Porto. Eine Rückfahrt existierte nicht im Computer. Es wurde ein weiterer Angestellter herbeigerufen, der mit uns Englisch sprechen konnte. Generell fahren wohl Züge am Wochenende, aber im Moment weiß keiner wann, wo und wie? Wir erfuhren dann, dass am Samstag eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke in Betrieb genommen wird und der Fahrplan wohl erst kurzfristig zusammengebastelt wird. Also heißt es erstmal oneway nach Santiago und Samstag irgendwie zurück nach Vigo. Wir lassen uns überraschen. 

Unser Freund Ravier holte uns vom Bahnhof ab und erzählte uns, dass man solche Projekte meist kurz vor den bald anstehen Wahlen in Angriff nimmt um noch ein paar Stimmen zu erhaschen. Bei uns passiert sowas in der Regel zum Fahrplanwechsel im Dezember. 

Javier führte uns dann durch Santiago de Compostella, das Ziel der Pilger, die auf dem Jakobsweg entlanglaufen. Das Ziel der Pilger ist die Kathedrale hier. Javier machte mit uns eine Privatführung - er kennt sich super mit der Geschichte aus.  Er kann nicht nur die ganzen historischen Daten nennen, sondern auch Anekdoten hinter den Gesichten. Das ist sehr spannend zuzuhören. 


Er selber ist vor 20 Jahren aus dem Süden der Liebe wegen in die Stadt gekommen und Interessierte sich einfach dafür, in welcher Stadt er nun lebt. 

Wir haben bei unserer Führung auch viele Pilger gesehen, aber im Sommer ist die Stadt wohl brechend voll von Ihnen.  

In der Kathedrale soll der Apostel St. James begraben liegen - der einzig bekannte Ort eines Apostels neben St.Peter im Petersdom in Rom. Seine Statue ist über ein Treppe erreichbar und es gehört zur Pflicht eines Pilgers ihn zu umarmen. Im Sommer steht man dafür gut und gerne 5 Stunden an. Wir mussten nur 2 Minuten warten. 

Nach noch mehr Input haben wir uns in ein kleines Café am Park gesetzt und sind dann in deren Wohnung etwas ausserhalb gefahren.  Hier haben wir den Luxus eines eigenen Schlafzimmers samt Bad. Nach zehn Tagen notdürftiger Katzenwäsche on Tour Genossen wir den Luxus uns ausgiebig frisch zu machen!

Abend sind wir mit Javier und seinem Mann Ruben, die übrigens seit über 20 Jahres zusammenleben, essen gegangen. Das Restaurant ist bekannt für seine Fleischspezialitäten. Wir haben zu viert eine Platte für 2 Personen bestellt und bekamen eine heiße Pfanne auf den Tisch und jede Menge Fleisch auf einem Tablett zum selber braten. Dazu gab es nur ein paar Spanische Pommes und Salat - also ohne viel Chi-chi und Gedöns. Das Essen war ausgezeichnet und völlig ausreichend. Zu zweit hätten wir die gleiche Menge niemals geschafft! Javier meinte, dass so die galizische Küche funktioniert. Es gibt keine richtigen Gerichte, weil die Grundprodukte wie Fleisch und Fisch so gut sind, dass man nichts hinzufügen müsste. 




Nun wurde es Zeit fürs Bett. Diesmal ein richtiges Bett...

Mittwoch, 8. April 2015

Versöhnung mit Porto

Dienstag, der 07/04/2015

Ein neuer Tag begrüßte uns mit einem prachtvollen Sonnenaufgang in unserem Kuschelbettchen. Nach einem kleinen Frühstück im Camper machten wir uns erneut auf den Weg zur Metrostation. 
Da wir den Weg schon kannten, kam er uns nicht mehr so lang vor und bergauf konnten wir auch eine Seilbahn nehmen, die zwar unser Budget um 5 Euro geschmälert hat, aber dafür einen wundervollen Blick über die Stadt bietet. Wie wir dort auch gelernt hatten, wohnen wir selber gar nicht in Porto. Die andere Flussseite ist ein anderer Ort namens Villa Nova de Gaia. Dieser Ort wurde irgendwann vom König als Gegenpol gegründet, weil die Stadt Porto und deren Bischöfe zu mächtig wurden. Hier sind auch die ganzen Portweinhersteller angesiedelt. Die Lager könnten wir gut aus unserer Seilbahn sehen. 

Am Ende der Seilbahnstation lohnt es sich, zu Fuß über die Brücke Ponte de D.Luís I zu gehen anstatt gleich die Tram zu nehmen, die auch über diese Brücke fährt. Hier hat man den besten Blick auf das malerische Flussufer mit der Altstadt von Porto. 
Jetzt haben wir aber erstmal unser Zugticket besorgt. Für 11,80 kommt man bis nach Vigo in Spanien. Von dort müssen wir den Rest der Reise buchen. Der Computer wollte heute wohl nicht - Computer sagt nein. 

Wir standen noch vor dem Problem, was wir mit unserem Camper machen, wenn wir in Spanien sind.  Der Platz, wo wir stehen ist zwar ganz praktisch, aber an sich unbewacht. 
Per Satellitenfotos haben wir die Umgebung vom Bahnhof abgesucht und eine Autowerkstatt mit einem großen Innenhof gefunden. Per Google-Streetview könnten wir uns die Zufahrt anschauen und fanden den Platz ideal. Jetzt muss nur noch der Besitzer der Werkstatt einverstanden sein. 
Also auf in die Werkstatt und das Ehepaar dort angesprochen. Halb Englisch, halb Portugisisch konnten wir uns einigen. Das scheint schonmal zu klappen. Prima - heute läuft alles besser hier! Apropos laufen: Das war unsere hauptsächliche Tätigkeit heute, denn unser auserkorener Besichtigungsplan sah vor, die Gegend um Praça da Liberdade zu erkunden. Dies ist  der Hauptplatz mit dem Rathaus  in Porto und es gibt alleine hier unheimlich viel zu erkunden, was den Rahmen jedes Touristen-Tagesprogramms sprengen würde.  Wir hatten in der Seilbahnstation einfach mal das Buch "Ganz Porto" auf Deutsch gekauft. Unsere Tipps für diese Gegend:

Den 76-Meter hohen Turm der Kirche Torre dos Clérigos hinaufsteigen. Hier hat man den besten Blick über die gesamte Stadt. Gleich um die Ecke ist die Buchhandlung Lello e Irmão von 1906, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Ein Traum in Jugendstil mit einem beeindruckenden Treppenaufgang. 

Den Bahnhof São Bento besichtigen. In der Empfangshalle wurde die Geschichte der Eisenbahn und wichtige Ereignisse Portugals mit den wundervoll verzierten Kacheln (Azulejos) dargestellt. 

Die Einkaufsstraße Rua de Santa Catarina samt der kleinen Seitenstraßen erkunden. Hier gibt es noch viele Traditionsgeschäfte mit dem alten Interieur. Besonders erwähnenswert ist das Café Majestic auf der Rua de Santa Catarina. 

Außerdem gibt es noch so viele Kirchen, die alle reich geschmückt sind, dass wir keine speziell empfehlen können. Hier einfach mal selber auf Entdeckungsreise gehen. 

Nach dem ganzen Gelaufe haben wir uns eine Rundfahrt mit der historischen Straßenbahn Linie 22 gegönnt, die auch nicht in unserem Ticket enthalten war. Eine Einzelfahrt kostet 2,50 Euro. Zum Pause machen bietet sich dann der Campo dos Mártires da Patria an. Hier trifft unsere Linie 22 auf die ebenfalls historische Linie 18. 

Zum Abschluss gönnten wir uns ein kleines Bier auf dem eher traurigen Platz Praça de Batalha am Ende der Einkaufstrasse. Hier trifft man eher auf diejenigen, die in unserer Gesellschaft keinen Platz gefunden haben oder für die es keinen Platz gab. In Porto gibt es im Gegensatz zu Lissabon wesentlich mehr Obdachlose und arme Leute auf den Straßen. 

Um acht waren wir durch und sind aufgebrochen Richtung Camper. Vom Platz nicht weit entfernt führt die Standseilbahn dos Guindais hinab zum Fluss. Wie bereits zuvor in der Seilbahn und historischen Straßenbahn wurde unser Tagesticket wieder nicht anerkannt.
Die Fahrt bergab kostete natürlich 2,50 Euro  
Mal schauen ob unsere 3 Tages-Touristeticket für nächste Woche mehr hergibt. 

Am Flussufer erwartete uns noch unser erster perfekter Sonnenuntergang, der den Fluss und die Altstadt in ein warmes Licht tauchte. Nachdem gestern nix funktionierte, hat sich Porto heute Mühe gegeben und uns noch dieses Naturschauspiel präsentiert, obwohl wir uns schon längst vorher mit der Stadt wieder versöhnt haben!